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Ein Vorschlag gegen steigende Krankenkassenprämien

Wie Medikamente endlich billiger werden

Artikel von Peter Fischer * im "Tages-Anzeiger" vom 11. Februar 2009

Die eidgenössischen Räte haben sich in der Dezembersession 2008 für die Zulassung von Parallelimporten aus Europa ausgesprochen. Eine während Jahren emotional geführte Debatte hätte so ihren positiven Abschluss finden können. Hätte, denn die Mehrheit von National- und Ständerat entschied sich für eine "Lex Pharma": Medikamente sind von Parallelimporten weiterhin ausgenommen.

Da die Gesundheitskosten und die Krankenkassenprämien weiter steigen, ist es mehr als störend, dass das Sparpotenzial bei den Medikamenten mit einer Zulassung von Parallelimporten nicht ausgeschöpft wird. Die Konsumenten und Prämienzahler haben das Nachsehen: Pharmaimporteure und -hersteller fahren auf ihren Buckeln auch in Zukunft fette Gewinne ein.

Da Parallelimporte von Medikamenten nicht zugelassen werden, sind andere Möglichkeiten zu suchen, damit Konsumenten und Patienten in den Genuss tieferer Medikamentenpreise kommen. Eine Brücke zwischen einer vollkommenen Liberalisierung und einem Totalverbot von Parallelimporten ist die freie Preisgestaltung für Medikamente: Der Bund zieht sich aus den Preisverhandlungen zurück und überlässt diese der Pharmaindustrie, den Importeuren und Krankenversicherern, welche selbst die Preise der Medikamente aushandeln.

Preise frei aushandeln

Erst wenn sich die einzelnen Akteure nicht einigen können, soll sich der Bund als Schlichtungsstelle einschalten. Scheitert die Vermittlung, kann der Bundesrat als letzte Instanz die Preise festsetzen.

Der Verband der Schweizer Krankenversicherer, santésuisse, hat in den Verhandlungen bei der Einführung des Tarmed, dem Einzelleistungstarif für ambulante ärztliche Leistungen, bewiesen, welche Wirkung direkte Verhandlungen haben. Die Ärzte forderten ursprünglich einen Taxpunktwert von einem Franken. santésuisse vermochte in direkten Preisverhandlungen mit den kantonalen Ärztegesellschaften - nach Kantonen differenziert - für seine Versicherten zu erreichen, dass dieser deutlich tiefer festgelegt wurde. Im Gegensatz zum Fast-Monopolisten SUVA, der gesamtschweizerisch, also sehr undifferenziert, einen Taxpunktwert von einem Franken ohne Widerstand akzeptierte.

Die Erfahrungen mit dem Tarifsystem Tarmed beweisen, dass freie Preisverhandlungen eine dämpfende Wirkung auf die Preise haben und der Markt selber in der Lage ist, den richtigen Preis zu finden: Dieser kommt oftmals tiefer zu liegen, als wenn der Regulator ins Preisgefüge eingreift.

Pharma gewährt Rabatte

In Zukunft sollte der Bund in der Grundversicherung nicht mehr die Produkte festschreiben, sondern sich darauf beschränken, zu definieren, welche Wirkstoffe von der Grundversicherung übernommen werden müssen. Die Krankenversicherer werden verpflichtet, Versorgungsverträge für die einzelnen Wirkstoffe auszuschreiben. Die Pharmaindustrie wird dadurch zu einem Preiswettbewerb gezwungen, ohne dass die Versorgungssicherheit gefährdet ist. Denn die Krankenversicherer sind gesetzlich dazu verpflichtet, die vom Bund definierten Wirkstoffe bzw. Medikamente zu übernehmen - allerdings auf einem deutlich tieferen Preisniveau.

Dies zeigt das Beispiel Deutschland. Dort ist es den Krankenversicherern seit zwei Jahren möglich, direkt mit den Pharmaherstellern zu verhandeln und so Preisnachlässe zu erzielen. Die Auswirkungen auf die Qualitätsdiskussion sind erstaunlich: Die Pharmafirmen sind unter dem Wettbewerbsdruck plötzlich bereit, Garantien zu gewähren. Verfehlt ein Medikament seine Wirkung, erhält der Krankenversicherer das Geld zurückerstattet. Es wird folglich nicht die Menge, sondern die Leistung und Wirksamkeit bezahlt.

Mit anderen Worten, direkte Verhandlungen haben im Vergleich zum heutigen System einen entscheidenden Vorteil: Fern der dogmatisch geführten, festgefahrenen Diskussion um Parallelimporte für Medikamente kann relativ schnell und einfach eine Lösung gefunden werden, die den Versicherten zugute kommt.

* Peter Fischer ist CEO von Visana, einem der führenden schweizerischen Kranken- und Unfallversicherer.

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