Medienmitteilungen
Ärztliche Grund- und Notfallversorgung regional sicherstellen
Pilotprojekt der Berner Ärzte und von Visana
Bern, 28. Dezember 2009 - Einen konkreten Beitrag zur Sicherstellung der regionalen ärztlichen Grund- und Notfallversorgung leisten die Ärztegesellschaft des Kantons Bern und der Krankenversicherer Visana im Berner Oberland. Während zweier Jahre sollen die dort tätigen Grundversorger mit einem leicht höheren Taxpunktwert für ihre ärztlichen Leistungen entschädigt werden. Dies gaben die Ärztegesellschaft und Visana an einer Medienorientierung am Montag in Thun bekannt.
Dabei erklärte Peter Fischer, CEO der Visana-Gruppe, dass die Visana-Gruppe sich vorbehalte, auch inskünftig die Pauschale für ärztliche Hausbesuche zu entrichten. santésuisse teilte jüngst mit, dass diese ab März gestrichen würde. Für Fischer ist dieser Entscheid unverständlich, zumal die Gesamtkosten im Gesundheitswesen nicht sinken, wenn bei den Grundversorgern gespart werde, da dann die Patienten in die teureren Spitäler gingen. Die Frage der Abgeltung der ambulanten ärztlichen Leistungen müsse gesamtheitlich und nicht isoliert angegangen werden, hielt Fischer fest.
Grund- und Notfallversorgung immer mehr gefährdet
Mit grosser Beunruhigung stellen Ärztegesellschaft und Visana, der mit Abstand grösste Krankenversicherer im Kanton Bern, fest, dass die ambulante ärztliche Grund- und Notfallversorgung in den Randregionen des Kantons je länger, je mehr gefährdet ist. Mit ihrem Schritt wollen sie ein Signal setzen und eine vertiefte Diskussion über Massnahmen auslösen, die zu ergreifen sind, um die Grund- und Notfallversorgung gesamtschweizerisch flächendeckend sicherzustellen.
Rund 80 Ärztinnen und Ärzte
Das Pilotprojekt sieht vor, dass die Grundversorger in allen Amtsbezirken des Berner Oberlandes (ausgenommen Regionen Thun, Spiez und Interlaken) ab dem 1. Januar 2010 einen Taxpunktwert von 88 statt 86 Rappen verrechnen können. Dies bei allen drei Marken der Visana-Gruppe (Visana, sana24 und vivacare). Das Pilotprojekt ist befristet auf zwei Jahre und soll hernach ausgewertet werden. Als Grundversorger gelten insbesondere Mediziner mit Facharzttiteln für Allgemeinmedizin, Innere Medizin und Pädiatrie sowie praktizierende Ärzte ohne Facharzttitel.
Mit dem Pilotprojekt werden rund 80 Ärztinnen und Ärzte angesprochen. Diese schliessen mit der Visana-Gruppe eine zusätzliche Vereinbarung über den erhöhten Taxpunktwert ab. Der Entscheid, ob sie sich an diesem Pilotprojekt beteiligen wollen oder nicht liegt, bei den
Ärzten. Bei einem Informationsanlass im Berner Oberland, zu dem neben den Grundversorgern auch die spezialärztlich tätigen Mediziner eingeladen waren, stiess die Initiative der kantonalen Ärztegesellschaft und von Visana auf grosse Zustimmung.
Position der Hausärzte laufend geschwächt
Dr. Jürg Schlup, der Präsident der Berner Ärzte, stellte fest, dass über die Situation der Grundversorger wohl viel diskutiert wird, deren Position aber durch politische Entscheide laufend geschwächt werde. Er erwähnte dabei die Senkung der Labortarife, die vor allem die Grundversorger treffe, die Reduktion der Vertriebsmargen für Medikamente, die angekündigte Streichung der Hausbesuchspauschale und die in Frage gestellte direkte Abgabe von Medikamenten durch die Ärzte.
Bei dem gemeinsamen Projekt mit Visana gehe es darum, einen konkreten Beitrag zur Sicherstellung der ärztlichen Grundversorgung am Beispiel Berner Oberland zu leisten: "Mit diesem Schritt soll die Diskussion über die betroffene Region hinaus zur Sicherstellung der Grund- und Notfallversorgung in Randregionen vertieft lanciert und endlich gehandelt statt nur diskutiert werden."
"Hausarzt günstiger als Spital"
Für Peter Fischer, CEO der Visana-Gruppe, ist die Sicherstellung der regionalen ärztlichen Grund- und Notfallversorgung nötig, um eine integrierte Versorgung der Bevölkerung zu gewährleisten. In seinen Augen übernimmt der Hausarzt inskünftig vermehrt die Rolle des "Gesundheitsmanagers". In dieser ist er zuständig für die Erstbehandlung der Patientinnen und Patienten und überweist sie im Bedarfsfall zur weiteren Behandlung an die Fachärzte oder ins Spital. So kann auf regionaler Ebene die ganze Versorgungskette - vom Hausarzt über den Spezialisten, die Spitäler, die Rehabilitation bis zur Spitex - garantiert werden.
Fischer verhehlte zudem nicht, dass der erste Gang zum Hausarzt wesentlich günstiger ist als jener direkt ins Spital. Die Sicherstellung einer flächendeckenden Grund- und Notfallversorgung liege deshalb nicht nur im medizinischen Interesse der Patienten, sondern auch im ökonomischen der Prämienzahler.
Signalwirkung mit (hoffentlich) langfristigen Folgen
Dr. Ulrich Ingold, Präsident des ärztlichen Bezirksvereins Berner Oberland, ist sich bewusst, dass einzig mit der Erhöhung des Taxpunktwerts für Grundversorger das Weiterbestehen von ländlichen Arztpraxen nicht sichergestellt werden kann: "Allein deshalb wird keine Praxis weniger geschlossen." Er erhofft sich von diesem Schritt jedoch eine Signalwirkung mit langfristig positiven Folgen für die Grundversorger.
Ähnlich argumentierte Dr. Markus Husi, Präsident des ärztlichen Bezirksvereins Thun und Umgebung. Der Beruf des Hausarztes müsse aufgewertet werden. Er brauche mehr Anstrengungen in der Ausbildung. Die Anzahl der Studienplätze sei zu erhöhen, und der Hausarztberuf solle auch in Lehre und Forschung attraktiver gemacht werden.
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